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Schweiz
Desk Schweiz · · Zusammenfassung 30 s · Artikel 4 Min.
Die schweizerische Invalidenversicherung (IV) verzeichnete 2025 insgesamt 25.200 neue Renten — 2.000 mehr als prognostiziert. Am 13. Juli 2026 erklärte IV-Direktor Florian Steinbacher, dass die finanzielle Lage "sehr kritisch" sei. Der Reservefonds von aktuell 3,3 Milliarden Franken könnte bei einem durchschnittlichen jährlichen Defizit von etwa 700 Millionen Franken bereits 2031 aufgebraucht sein. Der Rentenzuwachs ist besonders stark bei den 18- bis 24-Jährigen und Menschen über 60 Jahren. Eine Reform wird erwartet, der Bundesrat soll sich im Herbst 2026 entscheiden.
Am 13. Juli 2026 erklärte Florian Steinbacher, Direktor der schweizerischen Invalidenversicherung (IV), dass die finanzielle Situation der Institution "sehr kritisch" sei. Die IV — einer der wichtigsten Sozialversicherungszweige der Schweiz, koordiniert mit der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) — verzeichnete 2025 insgesamt 25.200 neue Renten, 2.000 mehr als nach den offiziellen Prognosen erwartet, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.
Die IV rechnet in den kommenden Jahren mit einem durchschnittlichen jährlichen Defizit von etwa 700 Millionen Franken. Bei einem Reservefonds von aktuell 3,3 Milliarden Franken würde dieses Tempo zum Aufbrauch der Rücklagen bereits 2031 führen.
Der Anstieg der neuen Renten ist besonders ausgeprägt bei den 18- bis 24-Jährigen und bei Menschen über 60 Jahren — zwei Altersgruppen, deren Zahlen deutlich über den Prognosen der IV-Finanzperspektiven liegen.
Der Trend ist strukturell: Neue IV-Renten wachsen seit 2014 schneller als die Bevölkerung der Schweiz, und diese Bewegung hat sich in den letzten Jahren stark beschleunigt. Kaum ein Rentenempfänger der IV findet anschließend zurück auf den Arbeitsmarkt — Steinbacher räumt ein, dass frühere Prognosen über Austritte aus dem System "deutlich zu optimistisch" waren.
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Die IV gibt etwa 10 Milliarden Franken pro Jahr aus: Fast 6 Milliarden fließen in Renten, etwa 1 Milliarde in Maßnahmen der beruflichen Eingliederung und etwa 1 Milliarde in medizinische Maßnahmen.
Die IV trägt eine Schuld von 10 Milliarden Franken gegenüber der AHV, die etwa 200 Millionen Franken Zinskosten pro Jahr verursacht. Seit 2020 erfüllt der Reservefonds nicht mehr die gesetzlich erforderliche Mindestquote von 50 % der jährlichen Ausgaben — ein Niveau, das seither nicht mehr erreicht wurde.
Steinbacher benennt zwei Faktoren: Die konjunkturelle Verlangsamung treibt mehr Menschen dazu, eine IV-Rente zu beantragen, und die Vermehrung von Diagnosen ist ein gesellschaftliches Phänomen, auf das die Institution keinen direkten Einfluss hat.
Die letzte IV-Reform trat 2022 in Kraft. Steinbacher möchte schnell das Vernehmlassungsverfahren einleiten — der Prozess, in dem der Bundesrat einen Vorentwurf den Kantonen, den im Parlament vertretenen Parteien und den interessierten Kreisen zur Stellungnahme vorlegt, bevor er ihn ins Parlament bringt. Ziel ist, dass die nächste Reform 2030 in Kraft tritt. Der Bundesrat muss im Herbst 2026 über die in die Reform einzubeziehenden Maßnahmen entscheiden.
Steinbacher schließt eine Kürzung der maximalen Rente von 2.520 Franken pro Monat aus. Etwa die Hälfte der IV-Rentner erhalten bereits Ergänzungsleistungen (EL) — Sozialleistungen, die unter Berücksichtigung des Einkommens an Empfänger der IV und der AHV gezahlt werden, deren Renten nicht ausreichen, um den Lebensbedarf zu decken. Eine Rentensenkung würde die Kosten automatisch in die EL verschieben, ohne echte Einsparungen für die öffentlichen Finanzen zu bringen.
sehr kritisch
— Florian Steinbacher, IV-Direktor, 13. Juli 2026
Der genaue Inhalt der nächsten Reform ist noch nicht bekannt: Der Bundesrat hat noch nicht entschieden. Die genauen Gründe für den Rentenzuwachs bei den 18- bis 24-Jährigen sind über die von Steinbacher genannten allgemeinen Trends hinaus nicht detailliert. Der Zeitpunkt für den Beginn des Vernehmlassungsverfahrens hängt von der im Herbst 2026 erwarteten Bundesratsentscheidung ab.
Steinbacher nennt zwei Faktoren: Die wirtschaftliche Verlangsamung treibt mehr Menschen dazu, eine IV-Rente zu beantragen, und die Vermehrung medizinischer Diagnosen ist ein gesellschaftliches Phänomen, auf das die Institution keinen direkten Einfluss hat.
Bei der aktuellen Defizitquote von etwa 700 Millionen Franken pro Jahr könnte der Reservefonds von 3,3 Milliarden Franken bereits 2031 aufgebraucht sein.
Etwa die Hälfte der IV-Rentner erhalten bereits Ergänzungsleistungen. Eine Rentensenkung würde diese Ausgaben automatisch erhöhen — finanziert von Bund und Kantonen — ohne echte Einsparungen für die Gesamtfinanzen zu bringen.
Der Bundesrat muss im Herbst 2026 über die einzubeziehenden Maßnahmen entscheiden. Steinbacher möchte anschließend schnell das Vernehmlassungsverfahren einleiten, damit die Reform 2030 in Kraft treten kann — bevor der Fonds aufgebraucht ist.
Seit 2014 wachsen neue IV-Renten schneller als die Schweizer Bevölkerung — ein struktureller Trend über zwölf Jahre, der sich in den letzten Jahren deutlich beschleunigt hat.